Neue Wege für das letzte Lebensdrittel
ERSTELLT 19.04.06, 07:30h
Die Christdemokraten Ingeborg Cziudaj und Klaus Großkurth wollen vor allem das Miteinander von Jung und Alt fördern.
Bonn - Neue Wege in der Seniorenpolitik will die Bonner CDU beschreiten. „Die Entwicklung macht vor Bonn nicht halt“, sind sich Ingeborg Cziudaj und Klaus Großkurth, beide CDU-Mitglieder im Sozialausschuss, einig. Cziudaj, selbst 63 Jahre alt, geht davon aus, dass ab 2050 die über 60-Jährigen in Deutschland in der Überzahl sind. „Die Politik muss sich schon heute etwas einfallen lassen.“ Denn die herkömmliche Seniorenpolitik, die neben der Rentenversorgung, die Heimunterbringung und Pflege sowie die Betreuung in Tagesstätten berücksichtigt, reiche nicht mehr aus. Vielmehr gehe es um Freizeit, andere Wohnformen und überhaupt alle Bereiche des Lebens, wenn das Seniorenalter ein Drittel des Lebens ausmache.
„Von 55 bis 64 Jahren zählt man die ganz jungen Alten“, pflichtet ihr Großkurth bei, der mit 67 Jahren bereits aus dieser neu erfundenen Altersgruppe herausgewachsen ist. „Wir betreten Neuland“, sagt er und wünscht sich zunächst ausführliches Zahlenmaterial über Senioren in Bonn. Cziudaj und Großkurth haben einen ganzen Katalog von Ideen und Anregungen zusammengetragen, der am Montag mit der CDU-Fraktion abgestimmt und dann als Antrag oder Anfrage in den Sozialausschuss eingespeist werden soll. Als Basis wünschen sich die beiden eine Umfrage unter Bonner Senioren, über deren Zufriedenheit mit Wohnvierteln, mit Einrichtungen der Stadt und anderem mehr. Auch die speziellen Wünsche und Probleme älterer Migranten sollen im Rahmen dieser schriftlichen Befragung beleuchtet werden.
Wirtschaftsfaktor
Einen Schwerpunkt in den Plänen der CDU bildet das Miteinander von Jung und Alt. Großkurth wünscht sich eine Seniorenagentur unter dem Motto „Jung hilft alt“, in der die älteren Menschen den jüngeren ihre Erfahrungen zugänglich machen. „Sie könnten beispielsweise bei der Lehrstellensuche helfen. Aber auch eine Sicherheitsberatung für andere Senioren könnte ich mir vorstellen.“ Einzelbeispiele dafür gebe es, aber Großkurth würde am liebsten einen Verein ins Leben rufen, der solche Angebote flächendeckend ermöglicht und in den Stadtvierteln angebunden ist. Was die Senioren als „wichtigen Wirtschaftsfaktor“ angeht, planen die Christdemokraten einen Fragebogen für Handel und Gastronomie. Großkurth: „Denkbar wäre es, besondere Angebote mit Urkunden auszuzeichnen.“
Was das gemeinsame Wohnen für Junge und Alte angeht, gerät Cziudaj über das „Erfolgsmodell Pützchen“ geradezu ins Schwärmen. „Aber sowas muss es doch auch als Angebot der Kommune geben“, will sie die städtische Wohnungsbaugesellschaft zu ähnlichen Projekten ermutigen. Nicht mit Wohnen, sondern mit Tagesangeboten hat das so genannte „Mehrgenerationenhaus“ zu tun. Ein Projekt, das die Bundesregierung in den kommenden fünf Jahren mit Zuschüssen von 88 Millionen Euro fördern will, nachdem Familienministerin Ursula von der Leyen damit in Niedersachsen gute Erfahrungen gesammelt hatte.
„Den Rückkauf der Großfamilie“ nennt Cziudaj die Versuche, die Generationen durch Leihoma-Modelle und Ähnliches wieder enger aneinander zu binden. Und Großkurth, selbst mit 57 Jahren in den Vorruhestand gegangen, muss einräumen, dass für solche Pläne „nur Pensionierte in Frage kommen“. Die jungen Alten aber sollen immer länger arbeiten. (syl)