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Geschichtliches

Marienheide ist urkundlich erstmals 1417 im Zusammenhang mit der Gründung des Dominikanerklosters erwähnt. Zu dieser Zeit gab es eine kleine Ansiedlung auf der Höhe Bockelsburg. Sie hieß „Auf der Heyde“. Dort lebte in einer Einsiedelei ein frommer Klausner mit Namen Heinrich. Nach der Überlieferung brachte er im Jahr 1417 ein Marienbild aus Köln zu seiner Klause und stellte es dort zur Verehrung auf. Dem Gnadenbild wurde sehr bald eine wundertätige Kraft zugeschrieben, was zu einem massenhaften Besuch des Ortes geführt hat. Der Grundstein für die Wallfahrt war gelegt. Bald baute Heinrich eine Kapelle für das Marienbild. Der Landesherr Graf Gerhard von der Mark ließ Dominikanermönche nach Marienheide kommen und begründete somit den Konvent. Anstelle der Kapelle entstanden in diesen Jahren Kloster und Kirche.

Nach dem Gnadenbild erhielt Marienheide seinen Namen. Heute erinnert eine nach dem Klausner Heinrich benannte Straße an den „Gründer“ von Marienheide.

Beschreibung des Wappens

Mit Urkunde des Preußischen Ministers des Innern vom 26. Oktober 1934 ist der Gemeinde Marienheide das Führen eines Wappens genehmigt worden. Die offizielle Beschreibung des Wappens lautet:

„In der oberen Hälfte befinden sich auf rotem Grund zwei gekreuzte, silberne Rodehacken mit goldenen Stielen, darüber eine fünfblätterige, silberne Rose mit grünen Kelchblättern und gelbem Blütenstand. Die untere Hälfte ziert auf silbernem Grund ein abgewandelter bergischer Löwe, blaubewehrt, doppelgeschwänzt, rot, mit erhobener rechter Pranke, zum Unterschied vom Wappen von Berg schreitend ohne Krone“.

Das Wappen knüpft an die geschichtliche Vergangenheit unserer Gemeinde an. So findet die silberne Rose ihren Ursprung im Wappen der Grafen von Möllenbeck, die von der Mitte des 15. Jahrhunderts bis zum Beginn des 17. Jahrhunderts in Müllenbach lebten.

Die Rodehacken sind dem Wappen der katholischen Kirchengemeinde entnommen worden. Sie sind noch auf zwei alten Altarleuchtern zu erkennen, die im Besitz der Kirche sind.

Die wichtigsten historischen Jahreszahlen auf einen Blick

1417Erwähnung des Klausners Heydenreich als "unserer lieben Frauen Knecht auf der Mergenheyde".
1421Papst Martin V. stimmt der Errichtung eines Dominikanerkonvents in Marienheide zu.
7.1.1596Bestätigung des Marktes in Marienheide.
1631Bestätigung der Reichsunmittelbarkeit Gimborn-Neustadts durch Kaiser Ferdinand II.
1806Besitzergreifung durch Joachim Murat. Besetzung Gimborns. Gimborn-Neustadt wird Teil des Großherzogtums Berg.
1808Marienheide wird eine nach französischem Recht verwaltete "Mairie"; Napoleon übernimmt die Verwaltung des Großherzogtums Berg.
1815Berg unter der Verwaltung Preußens; Marienheide bleibt als Samtgemeinde erhalten und wird Teil des Kreises Gimborn mit dem Hauptort Gummersbach.
1831Erhebung des Ortes Marienheide zur katholischen Pfarrgemeinde.
12.6.1846erste Sitzung eines gewählten Marienheider Gemeinderates.
1892/93mit der Bahnstrecke Meinerzhagen-Gummersbach erhält Marienheide den ersten Eisenbahnanschluss.
1897Kleinbahnverbindung Marienheide - Engelskirchen.
1902Eisenbahnverbindung Marienheide - Wipperfürth.

Die ersten urkundlichen Erwähnungen gehen allerdings zeitlich weiter zurück. Sie beziehen sich auf Müllenbach und Gimborn.

um 1091/97Bau der Müllenbacher Kirche (1091/97 Jahreszahl am Turm).
1174Erwähnung von Müllenbach (Mulenbecke) im Vertrag Engelberts von Berg mit dem Severinstift in Köln.
1180Erwähnung von Gimborn (Ginburne) bei Lieferungen an St. Gereon in Köln.
1190Erwähnung Müllenbachs (Mulibeke) in den Heberegistern von St. Severin.
1223Erwähnung von Gimborn (Gymburne) in Papsturkunde bez. Besitzungen von St. Gereon in Köln.
1289Erwähnung von Gervershagen als kölnisches Allodialgut.
1348Erste urkundliche Erwähnung der Möllenbecker Herren.

Kleiner zeitlicher Rückblick über die ehemaligen Bürgermeister und Gemeindedirektoren der Gemeinde Marienheide

Wie schnell sind Namen und die damit verbundenen Persönlichkeiten vergessen. Wer weiß schon, wer im letzten oder im vorletzten Jahrhundert Bürgermeister von Marienheide war?

Hier erfahren Sie Einiges über die früheren Verwaltungschefs.

Erster Bürgermeister der Munizipalität Marienheide - damals hieß er noch „Maire“ - war Johann Weyer (1808 bis 1824). Marienheide gehörte mit den Mairien Gummersbach, Neustadt, Gimborn und Ründeroth zum Kanton Gummersbach.

Johann Weyer führte seine Geschäfte von seinem Wohnsitz in Lambach aus. Ihm standen seinerzeit 11 ernannte Munizipalräte zur Seite. Erste Aufgabe der neuen Gemeindeverwaltung war es, einen Gemeinde-Etat zu erstellen. Der Bürgermeister musste ihn wiederholt ändern, um den strengen französischen Verwaltungsvorschriften gerecht zu werden.

1815 fiel das Generalgouvernement Berg unter die Verwaltung Preußens. Marienheide bleibt als Samtgemeinde erhalten und wird Teil des Kreises Gimborn mit dem Hauptort Gummersbach.

Es folgten die Bürgermeister Gustav Gösser (1824 bis 1839) und Tugendhold Karthaus (1839 bis 1876). Bürgermeister Gösser residierte in seinem Wohnsitz in Müllenbach und später in Kalsbach.

Wo die Bürgermeister ihre Amtszimmer einrichteten, war dem preußischen Staat gleichgültig. Es durfte nur nicht in einer Gaststätte sein. Bürgermeister Karthaus hatte sein Büro aber in einer Gastwirtschaft errichtet. Als ihm der Landrat das 1841 verbot, schrieb Karthaus, in Marienheide seien fast alle Häuser Wirtshäuser. Die anderen Häuser befänden sich in schlechtem baulichen Zustand. Die Einwände nutzten nichts; er musste mit seinem Büro in sein Privathaus umziehen.

Karthaus erließ 1839 das erste Feuer-Lösch-Reglement für die Bürgermeisterei Marienheide. Die Gemeinde wurde in sechs Brand-Districte aufgeteilt: Kalsbach, Dannenberg, Himmerkusen, Linge, Marienheide und Müllenbach.

Am 23. Juli 1845 wurde eine neue Gemeindeordnung in der preußischen Rheinprovinz eingeführt. Kernstück dieser Gemeindeordnung war die Beteiligung eines Gemeinderates an der Gemeindepolitik.

Es durfte aber nicht jeder Bürger wählen. Grundbesitz war die Voraussetzung für die Ausübung des Wahlrechts. Darüber hinaus konnte der Gemeinderat das Wahlrecht an bestimmte Personen verleihen.

Neben dem von der Bevölkerung gewählten Rat gab es sog. geborene Mitglieder. Das waren meist Großgrundbesitzer. Zu ihnen gehörte auch Graf von Spee.

Die erste Sitzung des neugewählten Gemeinderates fand am 12. Juni 1846 statt.

Über Karl Schiering, er war von 1876 bis 1901 Bürgermeister in Marienheide, wird gesagt, dass der ehemalige Stabsfeldwebel dem Rat gegenüber gerne in einen militärischen Tonfall verfiel, was dem natürlich überhaupt nicht gefallen hat.

In die Dienstzeit von Heinrich Grothe (1902 bis 1912) fällt der Neubau des Rathauses. 1905 wurde das Gebäude in Betrieb genommen. Es sah auch eine Dienstwohnung für den Bürgermeister vor.

Es gab zu der Zeit nur drei Telefone in Marienheide, darunter eins im Bürgermeisteramt. Grothe schlug schon damals zur wirtschaftlichen Stärkung von Marienheide die Ansiedlung von Industrie vor. Der Rat lehnte jedoch ab.

1914 kam das kommunalpolitische Leben weitgehend zum Erliegen. Der 1. Weltkrieg kam mit all seinen Schrecken.

Nachdem am 9. November 1918 in Berlin die Republik ausgerufen wurde, wurde auch in Marienheide ein Soldaten- und Arbeiterrat gebildet, der die Aufgaben des Gemeinderates übernahm. In dieser Zeit war Wilhelm Wilms (1912 bis 1931) Marienheides Bürgermeister. Wilms schied mit 68 Jahren aus dem Amt.

Dr. Helmut Lindemann (1931 bis 1935) war nicht lange in Marienheide. Ohne große Vorankündigung ging der Doktor der Staatswissenschaften als Bürgermeister nach Melle bei Osnabrück. Der Rat reagierte ziemlich verärgert. Er brachte das u. a. damit zum Ausdruck, dass er Lindemanns Antrag auf teilweise Erstattung der Umzugskosten nicht nachgekommen ist.

Sein Nachfolger wurde Hugo Kritzler, der die Gemeinde bis zum Ende des Dritten Reiches leitete.

Paul Knoche wurde im Mai 1945 von der Militärregierung als kommissarischer Bürgermeister eingesetzt. Er trat am 31. Oktober von diesem Amt zurück. Am gleichen Tag wurde Theo Lesaar von der britischen Regierung zum Bürgermeister ernannt. Nach Einführung der neuen Gemeindeordnung 1946 nach britischem Modell wurde Lesaar Gemeindedirektor.

Die Bürgermeister waren ab dieser Zeit nur noch ehrenamtlich tätig. Sie waren Vorsitzende der Räte und hatten im Wesentlichen die repräsentativen Aufgaben zu erfüllen. Chef der Verwaltung war nunmehr der Gemeindedirektor.

Mit der großen Kommunalverfassungsreform in Nordrhein-Westfalen im Jahr 1994 wurde die sog. Doppelspitze von Bürgermeister und Gemeindedirektor abgeschafft und beide Funktionen zusammengeführt. Seit dem Ablauf der Übergangsregelungen gibt es auch in Marienheide seit dem 1. Oktober 1999 mit Uwe Töpfer einen hauptamtlichen Bürgermeister.

Ehrenamtliche Bürgermeister waren:

Ernst Rönchen(Februar 1946 bis Mai 1962)
Bruno Kühr(Juni 1962 bis Oktober 1969)
Josef Luis(November 1969 bis September 1978)
Wilhelm Kemper(September 1978 bis Oktober 1994)
Wolfgang Schuffert(Oktober 1994 bis September 1999)

Parallel dazu leiteten folgende Gemeindedirektoren die Marienheider Verwaltung:

Theo Lesaar(Februar 1946 bis Februar 1953)
Ewald Strunkheide(März 1953 bis Dezember 1969)
Werner Knabe(Januar 1970 bis September 1989)
Hans Gätcke(Oktober 1989 bis September 1999)